| Anhand der Titel, die Susanna Schwarz ihren Arbeiten gibt und die teilweise sogar Teil des Bildes sind und damit ihre Bedeutung unterstreichen, lassen sich die Leitmotive ihres Werks festmachen: Sehnsucht, Sentimentalität, Lebensfreude, Genuss, Natur, aber auch Ironie und Humor. Dem oft proklamierten Niedergang der Malerei wirkt Schwarz genau mit den beiden letzteren Komponenten entgegen. Denn obwohl sie sich traditioneller Maltechniken bedient, bezieht sie den Inhalt ihrer Bilder fragmentarisch aus dem Internet, aus Facebook-Seiten, Illustrierten, alten Postkarten, privaten und erstandenen Fotografien von in- und ausländischen Flohmärkten (und postuliert damit das postmoderne "Anything goes"). Aufgrund dieser heterogenen und dennoch recht persönlich anmutenden Auswahl an meist aktuellem Bildmaterial könnte man sie als Chronistin unserer Zeit verstehen, wären da nicht manch frühere große Leinwandarbeiten wie beispielsweise der "Susanna im Bade"-Zyklus (2004-2006), "Bounty" (2004) und "Bianca Neve" (2005), die die Frage der Aktualität verschieben und die Thematik der Sehnsucht und auch der Sentimentalität in den Vordergrund rücken. Die von Schwarz ausgewählten Bilder werden aus ihrem Hintergrund herausgelöst, collagenartig abstrahiert und treten durch eine neue Zusammensetzung, aber auch durch ein mehrfach mögliches Zusammenhängen von Schwarz' geschaffenen Bildern in Kommunikation zueinander und miteinander, die auch eine neue Sicht und Lesart auf die Darstellungen und das Abgebildete eröffnet. Dabei erhält das anfänglich als völlig unpolitisch und rein visuell Wahrgenommene eine weitere Dimension, die Schwarz' Sinn für Ironie und Humor unterstreicht. In diesem Sinne könnte Schwarz dem Kunsttheoretiker Yve-Alain Bois, der 1986 im Zusammenhang mit moderner Malerei von "Trauerarbeit" gesprochen hat, nicht stärker widersprechen. Ganz im Gegenteil bestätigt Schwarz mit ihrer Arbeit, dass moderne Malerei neu gedacht werden muss und als "erweitertes Feld" (Rosalind Krauss) verstanden werden soll, in dem künstlerische Setzungen auf unterschiedliche Weise mit ihrem räumlichen, institutionellen, zeitlichen und auch politischen Umfeld in Austausch treten. Die handelnden Personen und -in der 2010 entstandenen Serie "Das Leben ist ein Wunschkonzert" in großer Überzahl- die Tiere, meist Vögel, Hunde und Hasen könnten realistischer nicht sein: von den stolzen hausbackenen Hasenzüchtern bis zu den Fischerbabes, aalglatt wie das Objekt in ihren Händen und in Schwarz' Darstellung posierend selbst zum Objekt geworden. In den Arbeiten, die eine Person mit einem Tier zeigen, scheint es oft keine Beziehung zwischen den beiden zu geben. Das Tier ist dabei meist das aktive Element, die abgebildeten Personen bei Schwarz posieren, wenn sie nicht gerade essen, trinken oder weg reiten; (Ausnahmen posieren sogar beim Essen und Trinken). Selten sind Darstellungen von Mann und Frau, sie treten eher einzeln mit oder ohne Tier auf, wobei die Bilder mit Frauen in ihrem Werk deutlich dominieren. Meist attraktiv, jung und blond (der Künstlerin ähnelnd) wirken ihre Frauen einerseits der Welt entrückt, nachdenklich, romantisch-melancholisch mit dem Blick in die Weite. Andererseits finden sich in ihren Bildern auch posierende Frauen, die den Betrachter manchmal direkt ansehen, mit ihrem Blick provozieren, erotisieren, und damit polarisieren. In genau diesem Auseinanderklaffen zwischen romantisch-schüchternem Objekt der Sehnsucht versus sexuell-provozierendem Objekt der Begierde steckt, was Schwarz als Künstlerin so interessant und spannend macht. Wesentlich neutraler muten hingegen die Darstellungen ihrer Tiere an. Doch auch sie haben unterschiedliche Rollen inne: das Tier, in seiner natürlichen, unprätentiösen, ja vielleicht sogar unschuldigen Haltung steht dem posierenden, zu einer bestimmten Vorstellung gebrachten (Stickwort: schwarz-weißer Hund, der durch den rot-weißen Reifen springt) und dem toten Tier (der Nerz, der erlegte Fasan oder die zahlreichen Fische) gegenüber. Hierbei fällt auf, dass Schwarz nicht ausschließlich vom Menschen erlegte Tiere malt, sondern auch das Tier selbst als Täter bzw. Töter. Je genauer man die Tierdarstellungen mit denen ihrer Menschen vergleicht, umso enger lässt sich ihre gegenseitige Beziehung erkennen: das Mädchen, das ihren Wellensittich küsst, neben dem küssenden jungen Paar und den beiden küssenden Wellensittichen. Die Interpretation, dass der Wellensittich des Mädchens als Platzhalter für den fehlenden männlichen Partner herhalten muss, ist in Anbetracht der liebevollen Darstellungen aller von Schwarz erschaffenen Tiere, die teilweise das Hauptaugenmerk über die Personen auf sich ziehen, zu weit hergeholt und ohne Belang. Bei genauerer Betrachtung lässt sich erkennen, dass sich Schwarz mit Hilfe der unterschiedlichen Tiere, der domestizierten, aber vor allem auch der wilden und ungezähmten, Themenkomplexen nähern und plakativer darstellen kann, als es ihr mit der Darstellung von Menschen möglich wäre. Die fliegenden Wildgänse und Möwen auf einer fast rein weißen Leinwand veranschaulichen das Motiv der absoluten Freiheit, Schwarz' Personen können dieser Freiheit nur sehnsuchtsvoll hinterher blicken. Dennoch sind die Vögel, die Ente(!) und die Hunde in ihrem Werk trotz Protagonistenstatus Objekte, die - ähnlich ihrer menschlichen Counterparts- Gefühle der Lebensfreude, aber auch der Sehnsucht transportieren, denn "das Leben ist ein Wunschkonzert" und genau das zwitschern einige von Schwarz' Vogelvieh, das in Dürrerscher Manier Schwarz' Kunstfertigkeit, ihre Liebe zum Detail und ihr Können unter Beweis stellt. |
Kristin Teuchtmann |